„Herzlich willkommen im Tierhaus Steilshoop! der Alraune gGmbH Mein Name ist Hans-Jürgen. Seit sieben Jahren bin ich hier im Rahmen der Sozialen Teilhabe tätig. Vorher war ich lange arbeitsunfähig. Ich habe eine schwere Farballergie, vor allem an Händen und Armen. Daher konnte ich meinen erlernten Beruf als Maler nicht mehr ausüben. Meine Allergie habe ich seit dreißig Jahren. Ich habe immer gearbeitet, aber irgendwann ging es einfach nicht mehr. Über die Arbeitsagentur habe ich dann eine Umschulung zum Gärtner gemacht. Kurz vor der Prüfung wurde dann auch noch eine Metallallergie diagnostiziert. Ich habe noch den Abschluss gemacht. Jetzt habe ich zwei Gesellenbriefe und kann in beiden Berufen nicht mehr arbeiten. Ich habe mich immer wieder beworben und 98 Absagen bekommen. Denn man muss ja immer den Allergiepass mitschicken und wo gibt es einen Job ohne Kontakt zu Metall? Aber ich liebe Tiere. Sieben Kanichen sind bei mir zu Hause, dazu eine Katze und Fische. Für das Tierhaus fahre ich jeden Tag über zwei Stunden durch die Stadt. Das ist es mir wert.

Zu uns ins Tierhaus kommen vor allem Kindergartengruppen, Schulklassen und Senioren aus den Wohnanlagen in der Gegend. Viele haben hier in Steilshoop sonst nicht die Gelegenheit, sich mit Tieren zu beschäftigen. Tiere und Menschen zu verbinden ist mir wichtig. Denn Tierschutz fängt bei Kindern an. Daher ist unser Angebot wichtig für den Stadtteil. Immer wieder sprechen mich Kinder an, weil sie Tierpfleger werden wollen. Denen sage ich immer, dass 80 % meiner Arbeit Reinigung und Pflege ist. Nur Streicheln ist nicht.

Wenn die Ko-Finanzierung der sozialen Teilhabe wegfällt, weiß ich nicht , wie es weiter gehen soll. Ich bin jetzt 55 Jahre alt. Da wird es mit einem neuen Job nicht leicht. Die meisten meiner Kollegen sind über die Soziale Teilhabe beschäftigt. Die betrifft das auch. Und wer versorgt dann die Tiere?“

„Ich bin Sabrina, 55 Jahre und arbeite als Verkäuferin bei „Spenda Bel“ von einfal GmbH. Am traurigsten wird dieses Jahr die Weihnachtsfeier. Denn die ist nach unserem letzten Arbeitstag. Dann schließen wir den Laden. Alle acht Mitarbeiter stehen wieder auf der Straße. Vor 1,5 Jahren haben wir zusammen das Projekt in der Weidenallee begonnen. Vorher war ich länger arbeitslos. Wenn man mich kennenlernt, spüren die Leute meinen Elan. Aber dann sehen sie auf das Alter und ich werde wieder aussortiert. Manchmal werde ich gefragt, ob ich einen Computer bedienen kann. Ich sage dann immer „Ja, sogar auf Spanisch!“ Ich fühle, dass man mich hier braucht. Wir sind für viele Menschen wichtig. Aber jetzt verabschieden wir uns von jedem unserer Kunden. Es ist ja nicht mehr lange hin. Die sagen dann: Macht doch eine Unterschriftensammlung. Aber ob es das bringt? Wir arbeiten mit dem Männerheim der Diakonie hier um die Ecke zusammen. Die schicken uns immer mal wieder jemanden zum Einkleiden. Decken und Schlafsäcke für das Winternotprogramm sammeln wir das ganze Jahr. Auch damit wird wohl zum Jahresende Schluss sein. Das ist traurig. Ohne die Arbeit hier gehe ich wieder Montags zur Tafel oder es gibt wieder eine Woche lang Hühnersuppe.“

„Mein Name ist Rainer, ich bin 50 Jahre alt und habe schon immer im Verkauf gearbeitet. Über 50 Kunden kommen jeden Tag zu uns. Wir verkaufen an Bedürftige für einen symbolischen Preis. Ein gutes gebrauchtes Sweatshirt kostet 2 Euro. Natürlich haben wir es vorher sortiert, gewaschen und –wenn nötig- aufgearbeitet. Mir macht es viel Spaß hier und ich habe jeden Tag einen Grund aufzustehen. Ohne Arbeit fällt man in den gleichen Trott. Unsere Chefin hier im Spenda Bel würde auch gerne mit uns weiter arbeiten. Aber die weiß auch nicht, wie es weiter geht. Genau wie unsere Fallmanagarin. Es geht ja gar nicht nur um das Geld. Am 2. Januar müssen wir unsere HVV-Karte abgeben. Dann sitze ich wieder zu Hause. Eine Tageskarte kann ich mir nicht leisten.“

"Mein Name ist Wilma, ich bin 55 Jahre und alleinerziehende Mutter eines 16 jährigen Sohnes. Meine beiden erwachsenen Töchter sind schon ausgezogen

Seit 6 Jahren arbeite ich bei KoAla e. V. in La Cantina. Jeden Tag gibt es hier zwei frische Gerichte, eine Salatbar, selbstgebackenes Brot und mittwochs Kuchen. 200 Essen für Menschen mit geringen Einkommen gehen jeden Tag über unseren Tresen. Es werden etwa 120 Essen verkauft, Bedürftige bezahlen 2,50 €. Nachmittag noch einmal 80 Essen für bedürftige Menschen. Meine Hauptaufgabe ist die Salatbar. Hier kann ich kreativ sein, mich ausprobieren. Mir macht es Spaß, jeden Tag etwas Neues auszudenken. Mein Dressing mit Joghurt, Honig und Senf könnte ich so wegtrinken. Und auch bei den Gästen kommt das gut an. Ich bekomme positive Rückmeldungen, das hat auch meinem Selbstbewusstsein sehr gut getan. Ich habe schon verschiedene Maßnahmen hinter mir, wie AGH und Tagwerk. Vorher war ich im Einzelhandel. Ich habe schwere Zeiten hinter mir. Nach der Trennung musste ich die Kinder alleine durchbringen und bin oft sehr krank gewesen. Gicht und Rheuma haben mir viele Probleme bereitet. Meine Finger sind seitdem nicht mehr voll beweglich.

Jetzt in der Soziale Teilhabe war es für mich großartig wieder Geld zu verdienen und auch was für meine Gesundheit zu tun. So nehme ich jetzt regelmäßig an Reha Sport-Maßnahmen teil. Ende des Monats läuft die Maßnahme aus. Für mich gibt es mit 55 Jahren und arthritischen Händen keine Perspektive auf einen Arbeitsplatz im ersten Arbeitsmarkt. Wohin es dann geht, weiß ich nicht. Ich hoffe nur, dass La Cantina erhalten bleibt. Wo sollen die Leute denn sonst hingehen?"

„Mein Name ist Mark, ich bin 40 Jahre alt und am liebsten arbeite ich im Verkauf. Dabei habe ich eigentlich Gas-Wasser-Installateur gelernt. Aber nach einer schlimmen Diagnose konnte ich in meinem Beruf nicht mehr arbeiten. Diese Diagnose hat mein Leben verändert. Ich war mit dem Kopf woanders und bin in ein tiefes Loch gefallen. Am Ende war ich wohnungslos und im Winternotprogramm. Mit Hilfe des Jobcenters habe ich mich langsam aus dem Tief heraus gearbeitet. Ich bekam wieder eine Wohnung und war dann als Kunde hier zum ersten Mal im Möbelkeller von Mook wat, meine Grundausstattung kaufen. Als mir von meiner Fallmanagerin ein Beschäftigung angeboten wurde, habe ich sofort ja gesagt. 30 Stunden arbeite ich in der Woche, aber meistens bin ich länger da. Hier kann ich mein Ding machen. Ich bin im Verkauf, beim Transport und helfe bei Auf- und Abbau. Insgesamt sind fast 30 Kolleginnen und Kollegen hier beschäftigt. Das Team ist großartig. Für den Job fahre ich durch die ganze Stadt, aber das ist ok, ich bin Frühaufsteher. Meine jetzige Couch habe ich auch aus dem Möbelkeller. Da habe ich gewartet, bis der Preis gefallen ist, weil sie länger im Laden stand. Alle Möbel bei uns sind heile und gut, wie in einem richtigen Möbelhaus. Nur die Preise sind anders. Denn wir leben von Möbelspenden Wenn nötig werden die Möbel in der Werkstatt repariert. Aber Sperrmüll nehmen wir nicht. Und kaufen kann bei uns nicht jeder. Als soziale Einrichtung verkauft unser Möbelkeller nur an bedürftige Menschen mit Nachweis. Wenn es hier bei Mook wat nicht mehr weiter geht, ist es auch für unsere Kunden schlecht. Wie es für mich weiter gehen soll, weiß ich nicht. Aber ich habe Angst, wieder in ein Loch zu fallen.“

„Mein Name ist Karl Heinz, aber hier nennen mich alle Kalle. Ich arbeite beim fairKauf Hamburg von IN VIA. Unser Sozialkaufhaus ist richtig groß. Bis zu 200 Kunden kommen jeden Tag hierher. Es gibt Kleidung, Möbel, Geschirr, eine Textilwerkstatt, eine Holzwerkstatt und ein Café. Das einzige Sozialkaufhaus südlich der Elbe, bei dem viele Menschen beschäftigt sind. Kaufen kann aber nur, wer nachweist, dass er ein geringes Einkommen hat.

Ich gehöre hier fast schon zum Inventar. So lange bin ich dabei. Morgens bekomme ich meine Zettel mit den Adressen des Tages. Dann hole ich mit meiner Tour Möbel, schraube diese vor Ort auseinander oder liefere gekaufte Möbel aus. In unserer Werkstatt werden kleinere Reparaturen vorgenommen, damit im Laden nur gute Sachen stehen. Natürlich wollen uns Menschen manchmal auch Sperrmüll mitgeben, aber wir nehmen nur Dinge, die wir auch wieder verkaufen können. Ich entscheide mit meinem Team vor Ort, ob etwas geht oder nicht. Das sage ich dann den Leuten. Natürlich ganz freundlich. Ich habe 1974 die Volksschule beendet und danach immer gearbeitet. Erst als Maler und dann in der Pflege. Aber 2011 hatte ich einen Bandscheibenvorfall. Da ging es nicht mehr. Inzwischen ist ein Tinnitus dazugekommen. Nun soll für mich hier Schluss sein. Ich wäre sehr gerne geblieben. Ich wohne ja auch hier in Harburg. Keine Ahnung, wohin es geht. Mit 61 Jahre fällt es schwer, noch in was Neues reinzuriechen.“

„Das hier sind die letzten Tage des Schreibservices der Passage in Kirchdorf. Ich heiße Klaus und bin hier seit fast zwei Jahren tätig. Eigentlich bin ich promovierter Physiker. War lange arbeitslos und habe –wie alle hier- eine gesundheitliche Einschränkung. Denn das ist ja eine Voraussetzung für die Soziale Teilhabe. Im Schreibservice können die Menschen aus dem Stadtteil kopieren, scannen, faxen oder Computerausdrucke machen. Wir helfen aber auch bei der Erstellung von Bewerbungsunterlage und bei Problemen mit Behörden und Unternehmen, wie dem Vermieter, dem Stromversorger oder dem Handyprovider. Die meisten Menschen hier kommen mit den Formularen und Behördenbriefen nicht klar, viele können auch nicht genügend Deutsch. Oft kommen auch Leute, die bis zum nächsten Termin beim Jobcenter eine bestimmte Zahl von Bewerbungen versendet haben müssen und damit total überfordert sind. Das ist etwa die Hälfte aller Kunden. Bei Folgeanträgen für ALG II können wir auch helfen. Bei den Erstanträgen nicht, denn wir sind ja keine Juristen. Über 1.700 mal waren wir in den vergangenen 1,5 Jahren aktiv. Alles kostenlos oder gegen eine freiwillige Spende. Sechs Mitarbeiter sind oder waren hier. Eben haben wir unseren türkischsprachigen Kollegen verabschiedet. Keine Ahnung, was aus ihm wird. Anderen droht die Privatinsolvenz oder sogar die Obdachlosigkeit. Am Freitag ist für uns alle Schluss. Natürlich kannten wir den Termin, denn wir haben ja alle befristete Verträge. Das hat sich natürlich auch auf die Motivation ausgewirkt. Ich persönlich werde dann wieder intensiver mit dem Jobcenter zu tun haben. Natürlich würde ich auch als Laborant oder als Hilfskraft für einen Ingenieur arbeiten. Dann würde man schnell merken, was ich drauf habe. Aber mir wurde nahe gelegt, meinen Doktortitel bei Bewerbungen nicht mehr zu nennen. Das würde abschrecken. Der neue §16i ist für uns ein Problem. Denn die soziale Teilhabe wird auf den Förderzeitraum angerechnet. Wir kosten potentielle Arbeitgeber also mehr als andere. Aber erst einmal bekomme ich wohl noch ein Coaching verordnet. Das soll ich z.B. lernen, wie man Bewerbungsmappen erstellt. Prima, habe ich gesagt, da kann ich gleich als Coach anfangen. Ich denke, man wird sich im Stadtteil ganz schön umgucken, wenn es unser Angebot nicht mehr gibt. Denn es wird ja gebraucht. Und gerade brechen hier viele Unterstützungsangebote weg.“

„Ich bin Natalie, 49 Jahre alt und weiß auch nicht, wie es im neuen Jahr weiter gehen wird. Schon vor einem halben Jahr habe ich geahnt, dass unsere Nachbarschaftshilfe eingestellt wird. Daher habe ich mich irgendwie darauf eingestellt, aber meine Kollegen sind immer noch ganz baff. Morgen habe ich ein Gespräch mit meiner Fallmanagerin vom Jobcenter. Wir waren zu viert in dem Projekt von einfal GmbH. Jetzt sind wir noch zu dritt und nächsten Freitag ist Schluss. Seit fast zwei Jahren haben wir hier im Nachbarschaftshaus ReeWie in Eidelstedt-Ost Veranstaltungen des Ehrenamtes mitorganisiert, den Tisch gedeckt, gespült, alles vorbreitet und hinterher aufgeräumt. Denn hier ist viel los. Dienstags ist Seniorencafé, mittwochs gemeinsames Mittagessen und donnerstags Frühstück. Das ist für viele ältere Menschen aus der Gegend wichtig. Es gibt ja hier nichts anderes. Und mal eben in die Stadt fahren, können die meisten nicht. Daher sind die Treffen wichtig, um sich auszutauschen oder einfach zusammen zu sein. Viele sind einsam hier. Hier im Nachbarschaftshaus gibt es aber nicht nur für ältere Menschen Angebote. Hier wurden schon Hochzeiten gefeiert, natürlich Kindergeburtstage und regelmäßig gibt es z.B. einen Kurs für türkische Gitarre. Diese Woche bereiten wir noch das Weihnachtsbasteln für Kinder - Geschenke in der letzten Minute – vor. Meinen Job habe ich als Chance genommen, denn wer nimmt mich denn auf dem ersten Arbeitsmarkt? Ich habe eine Autoimmunkrankheit, die in Schüben kommt. Da falle ich dann auch mal für ein, zwei Wochen aus. Aber ich habe keine Lust wieder tagelang zu Hause zu sitzen. Ich will ja auch Vorbild für meinen Sohn sein. Und zudem falle ich automatisch wieder in Hartz IV, da reicht das Geld hinten und vorne nicht.“

„Hallo, mein Name ist Malte. Ich bin 48 Jahre alt und seit etwa drei Jahren in der Alltagsbegleitung von KoALA beschäftigt. Zuerst als 1 Euro Job und jetzt in der sozialen Teilhabe. Ich habe vor vielen Jahren Altenpfleger gelernt, kann aber nach einem Bandscheibenvorfall nicht mehr in diesem Beruf arbeiten. Insgesamt sind wir zu sechst, aber es waren einmal über 20 Alltagsbegleiter. Wir gehen mit unseren Kunden zum Einkauf, gehen mit den Hund Gassi, Begleiten bei Terminen oder gehen einfach spazieren. Manchmal spielen unsere Begleiter auch einfach nur Mensch ärgere dich nicht. Ich bin inzwischen ins Büro gewechselt und mit der Planung der der Wochen- und Einsatzpläne beschäftigt. Morgen ist damit Schluss, denn unser Projekt wird es nicht mehr geben. Dabei werden wir von unseren Kunden dringend gebraucht. Ohne unsere Hilfe vereinsamen viele von ihnen. Alltagsbegleitung auf dem freien Markt einzukaufen, wird nicht gehen, denn unsere Kunden leben von der Grundsicherung. Wenn professionelle Dienste das machen sollen, kostet die Dienstleistung ja mehr als der Einkauf. Aber ganz kostenlos ist unser Service auch nicht. Wir nehmen zwei Euro Aufwandsentschädigung für Fahrtkosten oder Handschuhe pro Stunde. Am Ende des Monats kommt es schon mal vor, dass dafür das Kleingeld zusammengekratzt wird. Bisher kamen wir mindestens einmal pro Woche, bei Bedarf auch häufiger. Unsere älteste Kunden ist fast hundert Jahre alt. Wir haben aber auch eine Patientin in meinem Alter. Die ist an MS erkrankt und wohnt im dritten Stock. Wie ab Januar die Aufgaben des Alltags, wie z.B. das Schleppen von Einkaufstüten oder der Arztbesuch bewältigt werden soll, weiß ich auch nicht.“

„Ich bin Martin, 64 Jahre alt und Diplom-Soziologe. Seit eineinhalb Jahren habe ich mit meinen Kollegen das Projekt Naturerlebnispark der Alaune GgmbH mit aufgebaut. Ein kostenloses Angebot für Kinder aus den umliegenden Grundschulen und Kitas, die mitten in der Stadt Natur erleben können. Jetzt im Winter ist es natürlich ziemlich trübe, aber ab dem Frühjahr können die Kinder ausprobieren und altersgerecht lernen. Der Barfußpark ist z.B. sehr beliebt. Ich selbst bin am Waldrand aufgewachsen und weiß dass die Erlebnisse in der Natur wichtig sind. Wir versuchen uns in die Kinder hinein zu versetzen und merken, dass wir Erfolg haben. Daher würde es mich sehr ärgern, wenn das Projekt aufgegeben werden muss. Ich habe lange in meinem Beruf gearbeitet, in der Erwachsenenbildung, als Gewerkschaftssekretär und habe an der Uni als wissenschaftlicher Mitarbeiter eine Studie zum Bildungsverhalten von Migranten durchgeführt. Aber als ich arbeitslos wurde, habe ich eine regelrechte Maßnahmenkarriere gestartet. Als 1 Euro Job, als ABM-Kraft. Ich habe mich in der Freiwilligenbörse engagiert und war zwei Jahre Vorleser in Kitas. Eine interessante Tätigkeit mit viel Fantasie und Kreativität. Die Soziale Teilhabe habe ich als Sprungbrett in eine geförderte Beschäftigung gesehen. Jetzt habe ich noch ein Jahr bis zur Rente, das hätte ich gerne noch hier gearbeitet. Aber für mich ist in Kürze Schluss. Ich denke, ich werde hier noch die Ideen, Ergebnisse und Materialien sichern. Ich will einen guten Abschluss.“

„Willkommen in der Selbsthilfewerkstatt von Mook wat. Ich bin Ralf, 57 Jahre und seit drei Jahren hier. Erst AVGS und jetzt Soziale Teilhabe. Eigentlich bin ich gelernter Installateur. Bis 2011 habe ich in meinem Beruf gearbeitet. Aber als ich nach einem Sturz eine Endoprothese bekommen habe, war es vorbei. Schließlich hatte ich schon lange vorher nach einem Motorradunfall eine Unterschenkenamputation. Aber ich habe immer schon gerne an Computern gearbeitet, sie aufgerüstet und repariert. Als ich im Netz von dem PC Projekt erfuhr, habe ich mich gleich beworben und bin zum Glück genommen worden. Bei Mook wat PC werden gebrauchte Computer zusammengebaut, es gibt Computer- Kurse, andere kommen und werden bei der Erstellung von Bewerbungen unterstützt. Und in unsere Werkstatt können Menschen ihre defekten Rechner bringen. Aber nur Leute, die vorher ihre Bedürftigkeit nachgewiesen haben. Denn eine Reparatur kostet bei uns gerade einmal 5 Euro. In einem normalen Betrieb wird es nicht unter 50 Euro pro Stunde gehen. Auch Ersatzteile können wir zum Selbstkostenpreis weitergeben. Und der ist gering, denn wir schlachten gespendete Computer aus. Die meisten Rechner kommen von der Polizei und aus Behörden. Natürlich werden das keine Gaming-PCs, aber für Office-Programme reicht es. Die Selbsthilfewerkstatt ist auch deshalb wichtig, weil die Kunden daneben sitzen, etwas über ihren Computer erfahren und so in Zukunft Fehler vermeiden können. Besonders viel Spaß hat mit der „Offene Computer“ gemacht, der hier hinter mir an der Wand hängt. Natürlich voll funktionsfähig. Damit waren wir auf der Jobbörse. Ein Erklär-Video steht auf Youtube. Zum Jahresende ist meine Zeit hier erst einmal zu Ende. Ich hoffe, dass es irgendwie weitergeht. Aber ohne die Ko-Finanzierung werden die Menschen ihre kaputten Rechner nicht mehr in unsere Selbsthilfewerkstatt bringen können.“
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